Nationen rezitieren um die Wette
Wer fremde Sprachen nicht kennt, von seiner eigenen nichts weiß." Das Goethe-Zitat soll programmatisch für die deutsch-türkische Kulturolympiade sein.
Zum ersten Mal hat das Finale des bundesweiten Wettkampfs um Medaillen in Gesang, Lyrik, Prosa, Theater und Tanz gestern in Stuttgart stattgefunden. Eine Tatsache, die Oberbürgermeister Wolfgang Schuster in seiner Begrüßung in der voll besetzten Porsche-Arena als Beweis wertete, „dass wir deutsch-türkische Freundschaft leben und leben wollen". Schuster erinnerte auch daran, dass vor genau 50 Jahren die ersten Zuwanderer nach Deutschland kamen und einen großen Beitrag zum Wohlstand des Landes geleistet haben. In einer „Einwanderungsstadt", als die er Stuttgart mit den über 170 hier lebenden Nationalitäten verstehe, sei aber eine gemeinsame Sprache besonders wichtig, damit die Verständigung klappt.
Dass sich gleich mehrere Sprachen parallel lernen und im Alltag gebrauchen lassen, darauf wies der Geschäftsführer der Bil-Privatschulen, Muammer Akin, hin. Schüler seiner Schule waren in der Vergangenheit schon mehrfach Sieger beim Bundeswettbewerb der Kulturolympiade gewesen und
haben Deutschland beim Finale der „Internationalen Kulturolympiade" in Ankara erfolgreich vertreten.
Das große Fest des Bundesfinales, zu dem gestern viele Türken aus anderen Teilen des Landes eigens in die Porsche-Arena angereist waren, gibt es seit sechs Jahren. Dieses Mal nahmen erstmals auch deutsche Kinder und Jugendliche an dem Wettbewerb teil, sowie der 15-jährige Lars Widmann von der Böblinger Christiane-Herzog-Realschule mit seiner Interpretation eines türkischen Popsongs.
Zum ersten Mal war außer türkischem auch deutsches Kulturgut zugelassen. Deshalb hatte die kleine
Ilayda Ückulak aus Mannheim mit dem von Johannes Brahms vertonten Kinderlied „Guten Abend, gute
Nacht" den ersten Preis in der Kategorie Lied gewonnen und präsentierte ihren Beitrag wie alle anderen Sieger noch einmal vor Fernsehkameras und Politprominenz bei der Länder. Das Finale wurde live auf mehrere türkischeKanäle übertragen. In den vergangenen Wochen waren 1700 Schüler zwischen zehn und 19 Jahren in verschiedenen deutschen Städten bei dieser Art von Castingwettbewerb gegeneinander angetreten.Türkische Schüler rezitierten Schiller und Goethe, deutsche sangen
Lieder der türkischen Autoren Asik Veysel oder Zeki Müren. Damit konnten sie sich für das Finale und die Mitwirkung ander „Internationalen Türkischen Kulturolympiade" qualifizieren. Den großen Wettbewerb in der türkischen Hauptstadt Ankara, zu dem bisher ausschließlich türkische Lieder und Texte zugelassen waren, gibt es schon seit neun Jahren. Regelmäßig nehmen daran türkischstämmige Kinder aus 130 Ländern der Erde teil. Für jedes der elf vertretenen Bundesländer beim deutschen Wettbewerb gab es gestern einen Paukenschlag, die insgesamt 15 Sieger in den verschiedenen Disziplinen durften ihre Medaillen auf der Bühne entgegennehmen.
Die Vorentscheidungen zur Großveranstaltung in der Porsche-Arena liefen seit Anfang März in Berlin, Dortmund, Düsseldorf,Frankfurt,Hamburg und Köln.Außerdem hatte die 15 Schülerinnen und Schüler, die gestern auf der Bühne standen,auch die Hürde des Halbfinales in der Nähe von Paderborn genommen.
Weltweit nehmen an der Vorauswahl zum internationalen Finale in Ankara 10 000 Kinder und Jugendliche teil. Die deutschen Schüler gewannen in den Vorjahren insgesamt acht Medaillen. Ob das große Finale in diesem Jahr gleich in mehreren türkischen Städten ausgetragen werden soll, wird zurzeit noch diskutiert. Veranstalter der Kulturolympiaden ist der gemeinnützige Verein für Bildungsberatung
Academy in Frankfurt. Er organisiert auch Schüleraustauschprogramme und Bildungsmessen. Im Foyer der Porsche-Arena stellten sich deshalb auch verschiedene türkische Privatschulen vor.
Quelle: Stuttgarter Zeitung






